„Ungeschehen“ von Tina Seskis

Die Britin Tina Seskis hat mit „Ungeschehen“ gerade ihren ersten Thriller auf Deutsch veröffentlicht, der nach Angaben des Verlags schon in vielen Ländern Leser begeistert hat. Zudem hat die Autorin wie ich BWL studiert. Sie hat danach 20 Jahre lang in der Marketingbranche gearbeitet, ich 12 Jahre lang beim weltgrößten werbetreibenden Konzern. Das waren genügend Häppchen, um mich neugierig auf den Roman zu machen.

Worum geht es in diesem Thriller?

Eine Frau fährt von Manchester nach London und streift mit jedem Kilometer ihr bisheriges Leben ab. Sie hieß Emily, hat als Rechtsanwältin gearbeitet, war verheiratet mit Ben, Mutter eines kleinen Jungen und lebte mit ihrer Familie und deren Hund in einem Reihenhaus. In London angekommen heißt sie Cat, sucht sich ein billiges WG-Zimmer und einen Aushilfsjob als Rezeptionistin bei einer Werbeagentur. Ihre neue und einzige Freundin heißt Angel, klaut, nimmt Drogen und arbeitet als Croupière in einer Spielbank. Angel ahnt, dass Cat etwas verbirgt, aber sie fragt nie nach und alles scheint sich zum Besten zu entwickeln. Cat macht zügig Karriere in der Werbeagentur und zieht mit Angel in eine schicke Wohnung, ihre Kleidung ist teuer und in ihrer Handtasche hat sie immer etwas Koks parat.

Aber gerade am Jahrestag ihres Verschwindens kämpft sie besonders mit dem, was sie verloren hat und warum. Betrunken und bekifft landet sie in der Wohnung eines gutaussehenden Mannes, der am Ende des Wochenendes tot neben ihr im Bett liegt. Cat wird unter Mordverdacht verhaftet, ihr Bild erscheint in allen Medien und so findet ihr Gatte Ben sie schließlich wieder. Allerdings ist dies nicht der Beginn eines Happy Ends, denn etwas Unausgesprochenes steht zwischen ihnen.

Was ist an diesem Thriller besonders?

Dieser Thriller hat viel von einem Liebesroman. Immerhin steht im Mittelpunkt eine Mutter, die ihre Liebe auf ihre Töchter unterschiedlich verteilt, ein Vater, der zu keiner wahren Liebe fähig ist, eine Frau, die von der Liebe eines Mannes getragen wird und nicht aus noch ein weiß, als sie diese Liebe verliert und eine andere Frau, die davon überzeugt ist, keine Liebe zu verdienen. All dies bringt die Protagonisten dazu, so zu handeln, wie sie es tun und da ist es kein Wunder, dass die Autorin diesen Roman ihrer Mutter gewidmet hat.

Wie gefällt er mir?

Obwohl der Thriller kapitelweise von der Gegenwart in Vergangenes springt und von Anfang an klar ist, dass Emily etwas Schlimmes verschweigt, hat mich eher Neugier als Spannung durch das Buch getragen. Besonders die Ausflüge in die Schicki-Micki-Welt sind zwar klischeehaft, aber unterhaltsam. Die Protagonisten haben mich insgesamt nie überrascht, stellenweise wurde es kitschig und schade fand ich, dass Emilys Leben als Cat sang- und klanglos verschwindet, als sie nach der Mordanklage wieder ihr altes Leben aufnimmt. Insgesamt ist dieser Soft-Thriller aber ein netter Schmöker, bietet weder blutige noch brutale Szenen und manchmal kommt einem so leichte Spannungskost ja auch gerade recht. Und deshalb vergebe ich insgesamt 3 von möglichen 5 Mimis.

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