„Tribunal“ von André Georgi

André Georgi hat sich im Krimi-Metier bisher als Drehbuchautor und Dramaturg einen Namen gemacht. Mit „Tribunal“ hat er nun seinen ersten Thriller veröffentlicht. Und der hat ganz und gar keine Ähnlichkeit mit den Skripts für „Bella Block“, „Tatort“ etc, für die er bisher bekannt war.

Worum geht es?
OreskoviÄ steht unter stärkster Bewachung. Schliesslich soll er als Kronzeuge vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag aussagen und damit KovaÄ hinter Gittern bringen. KovaÄ war im Jugoslawien-Krieg der Anführer einer Elitetruppe innerhalb der serbischen Armee, die als „Wölfe“ bekannt ist und OreskoviÄ war Teil seiner Führungsmannschaft. Jasna BrandiÄ arbeitet als Sonderermittlerin des Tribunals, hat OreskoviÄ in Serbien aufgetrieben und ist nun für seine Sicherheit verantwortlich. Aber trotz ausgeklügelter Planung und gepanzerten Limousinen  gelingt KovaÄs Männern ein Attentat kurz vor dem Gerichtsgebäude, das nur Jasna überlebt.

Der Prozess scheint damit verloren, doch am nächsten Tag erreicht Jasna eine Email, dass ein ein anderer „Wolf“ namens Branko bereit ist, gegen KovaÄ auszusagen. Trotz ihrer Verletzungen fliegt Jasna direkt nach Belgrad, um Kontakt mit ihrem Mittelsmann aufzunehmen. Die Zeit drängt, denn ohne einen Kronzeugen muss das Tribunal KovaÄ laufen lassen. Und der Mittelsmann will nur mit Jasna den Aufenthaltsort von Branko mitteilen. Kann Jasna dem Mittelsmann vertrauen, obwohl sie ihn noch nie gesehen hat? Sie muss grosse Risiken eingehen und fährt ins bosnisch-serbische Grenzgebiet und kämpft ab jetzt verbissen um ihr Leben.

Was ist daran besonders?
Dieser Thriller fesselt auf mehreren Handlungsebenen: Er geht zurück in die Gräueltaten, die sich Serben und Kroaten angetan haben und zeigt wie damals und heute dort Macht ausgeübt und Angst verbreitet wird. Viele der damaligen Schlächter geniessen Schutz in der Bevölkerung und bei Politikern, aus unterschiedlichen Gründen. Dagegen geht das Haager Tribunal nach fairen Grundsätzen vor und hat den Einschüchterungen der Wölfe wenig entgegenzusetzen, es sei denn, es begibt sich auf diplomatisches und persönliches dünnes Eis. Der starke Wille nach Gerechtigkeit findet ebenso Platz hierin wie auch die zermürbende Verantwortung einer Leibwächterin.

Wie gefällt es mir?
Mich überzeugt dieser Thriller in allen Aspekten. Er hat mich tief in den damaligen Jugoslawien-Krieg zurückversetzt und mir vor Augen geführt, welche Auswirkungen er heute (möglicherweise) noch hat – auf politischer und menschlicher Ebene. Er zeigt die unersetzbare Wichtigkeit von hartnäckigen Individuen im Kampf von humanitärer Gerechtigkeit gegen martialische Gewalt. Und er entblättert nach und nach die persönlichen Beziehungen zwischen den Hauptprotagonisten. Ein Pageturner, der immer mehr an Fahrt gewinnt und auf den letzten 60 Seiten habe ich glaube ich keinen eisigen Atemzug mehr vorgebracht. Damit verdient er volle 5 von 5 möglichen Mimis und eine dicke Leseempfehlung.

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