„Todeszimmer“ von Jeffery Deaver

Todeszimmer“ heißt der gerade auf deutsch erschienene 10. Band um den Forensiker Lincoln Rhyme und seine Kollegin Amelia Sachs. Diese Thriller-Reihe ist so erfolgreich, dass der Autor Jeffery Deaver schon vor langer Zeit aufgehört hat, als Anwalt zu arbeiten. Und wie bei jeder dieser Reihen, gibt es mal schlechtere und mal bessere Einzelbände. Wohin gehört dieser?

Worum geht es?
Der US-Amerikaner Robert Moreno wirbelt als regierungskritischer Aktivist viel Staub auf und gibt gerade auf den Bahamas ein Interview, als er in seiner Suite von einem Scharfschützen erschossen wird. Zusätzlich sterben bei dem Anschlag der Journalist und Morenos Leibwächter. Die Nassauer Polizei ermittelt allerdings nur halbherzig als durchsickert, dass südamerikanische Drogenkartelle hinter dem Mord stecken. Die New Yorker Staatsanwältin Nance Laurel verfolgt dagegen eine ganz andere Spur: Ein Whistleblower hat ihr einen Tötungsauftrag zugespielt, den angeblich ein US-amerikanischer Geheimdienst ausgestellt hat. Kann das wahr sein, dass Moreno von einem Geheimdienst gezielt getötet wurde? Wenn ja, warum und wer trägt die politische Verantwortung dafür? Und falls das stimmt, ist ein anderer Mensch in Lebensgefahr, der unter Moreno als nächstes Tötungsziel aufgeführt wird.

Aufgrund der politischen Brisanz ermittelt Laurel in diesem Fall so geheim wie möglich: Sie stellt ein kleines Team zusammen, zu dem der Forensiker Lincoln Rhyme als externer Berater gehört. Gemeinsam rekonstruieren sie Morenos letzte Tage vor seinem Tod, aber es gestaltet sich schwierig, mit seinen letzten Kontaktpersonen zu sprechen. Sein Fahrer ist verschwunden und seine Dolmetscherin finden sie zu Tode gefoltert in deren Wohnung vor. Blockiert da etwa jemand gezielt die Ermittlungen und räumt sozusagen alle Spuren auf Morenos Tod aus dem Weg?

Kurzerhand fliegt Rhyme trotz seiner Querschnittslähmung nach Nassau, um am Tatort die Spuren auszuwerten. Doch nicht zeigt sich die dortige Polizei wenig kooperativ, auch der Tatort wurde basierend auf einem Anruf freigegeben und das Hotel renoviert bereits die Suite, als Rhyme dort ankommt. Offensichtlich tritt die Staatsanwältin mit ihrem Team gegen einen gründlichen, planvollen und gnadenlosen Täter an. Und gegen eine anscheinend mächtige Organisation gleich mit. Aber immerhin gibt es einen Whistleblower und wenn sie den ausfindig machen, sollten sie doch voran kommen. Oder?

Was ist daran besonders?
Deaver thematisiert in diesem Thriller ein top-aktuelles Thema: Bringen Geheimdienste gezielt Einzelpersonen um (wenn man den Nachrichten trauen kann: ja), wie werden diese Personen ausgewählt und wer erteilt die Freigabe hierfür? Dass auf dem Weg dahin Telefone abgezapft werden, erwarte ich als Leser nach den NSA-Enthüllungen schon fast automatisch. Und dass ein Täter schon fast kannibalische Gelüste beim Foltern seiner Opfer empfindet und sie mit seinem japanischen Messer fast so gefühlvoll zerschneidet wie das Fleisch beim Kochen seiner Leibspeisen, sorgt neben der politischen Dimension für ausreichend Gänsehaut.

Wie gefällt es mir?
Die Aktualität des Themas gefällt mir gut und die Ausgangssituation erscheint mir durchaus möglich. Durch die vielen vereitelten Ermittlungen bleibt die Spannung kontinuierlich erhalten, die Handlung schlägt allerdings besonders zum Ende hin einige Kapriolen. Gut gefallen haben mir die Ausführungen zu Rhyme und Sachs, die Darstellung vieler andere Protagonisten bleibt dagegen leider an der Oberfläche.
Ich habe aus der Reihe bisher nur 3-4 Bände gelesen und würde sagen, dass jeder unproblematisch mit diesem Band einsteigen kann, auch ohne die Vorgänger gelesen zu haben. Als großer Rhyme-Anhänger packt einen dieser Thriller vielleicht mehr als mich, ich vergebe 3 von 5 möglichen Mimis.

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