Thriller-Steckbrief zu „Geständnisse“ von Kanae Minato

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Kurz & knapp: Worum geht es?

Kurze Zeit, nachdem die Tochter der Lehrerin Yuko Moriguchi im Schwimmbad der Schule stirbt, quittiert sie ihren Dienst. In ihrer Abschiedsrede enthüllt sie ihren Schülern, dass es sich nicht wie allgemein um einen Unfall handelt, sondern dass zwei von ihnen ihre Tochter ermordet haben. Sie sagt, dass sie auf juristische Schritte verzichtet, aber den beiden Schülern HIV-positives Blut in die Milch gemischt hat, damit sie über den Wert des Lebens nachdenken.

Damit tritt Moriguchi eine Kette an Ereignissen los, denn die Klassenkameraden wissen nicht, wie sie mit dieser Neuigkeit umgehen sollen. Die beiden betroffenen Schüler gehen mit dieser extremen Veränderung ihrer Zukunftsperspektiven ganz unterschiedlich um. Der neue Klassenlehrer ahnt nichts von alldem und versucht, den Schülern ein guter Gefährte zu sein. Aber die Dramatik gewinnt ganz eigene Dynamiken.

Ist der Thriller Teil einer Reihe?

Nein.

Der Hauptprotagonist in einem Satz

Hier sind tatsächlich mal alle Protagonisten aus meiner Sicht gleich wichtig, daher kann ich diese Rubrik nicht füllen.

Wie blutig/eklig ist dieser Thriller?

Gar nicht. Das Drama dieses Thrillers ergibt sich durch die großen Gefühle und psychische Abgründe.

Sterben Tiere oder Kinder?

Ja, ein Kind stirbt, aber das geschieht unblutig und quasi nebenbei. Also aus meiner Sicht ist dieser Thriller auch für Leser interessant, die üblicherweise auf Bücher verzichten, in denen Kinder sterben.

Wie hoch ist der Love-Factor?

Liebe ist eine starke Antriebsfeder für menschliches Verhalten in diesem Thriller. Und sie tritt in verschiedenen Facetten auf, zB in hingebungsvoller Mutterliebe, blinder Mutterliebe, verschmähter Liebe und Liebeskummer. Auf Romantik wartet Ihr hier allerdings vergeblich.

Mein Lieblingssatz aus dem Thriller

Aus der Abschiedsrede der Lehrerin: „Ihr fürchtet euch wohl auch ein bisschen, im selben Raum mit jemandem zu sitzen, der zu so einem Verbrechen fähig war, aber vor allem ist es die Neugier, die euch jetzt zu schaffen macht.“

Welche Themen kommen im Thriller vor?

Es geht viel um gesellschaftlich erwartetes Verhalten und um die inneren Kämpfe dabei. Wie schwer es für manche Menschen ist, Grenzen dabei zu setzen, starke Gefühle in extreme Handlungen zu übersetzen. Es geht um Missverständnisse und die Unfähigkeit, diese zügig aus dem Weg zu räumen. Um das Ausgrenzen von HIV-Positiven in der japanischen Gesellschaft. Und insgesamt um Liebe, Trauer, Rache, Schuld und Sehnsüchte.

Wie hat mir der Thriller gefallen?

Dieser Thriller ist wie ein psychologisches Kammerspiel in sechs Akten. Die Erzählperspektive wechselt mit jedem Kapitel und nach und nach klicken immer mehr Details ineinander, ergeben aus den verschiedenen Sichtweisen Sinn und es kommt immer wieder etwas Überraschendes hinzu. Dieser Thriller hat mich mit seiner klaren, bildreichen Sprache direkt in die Handlung gesogen. Sicher spielt die japanische Kultur eine Rolle, in der Gefühle selten nach außen getragen werden. Das hat meine Neugier auf die Gedanken und Motive der Protagonisten noch erhöht und so ist die Dramatik mit jeder neuen Perspektive noch gestiegen.

Aus meiner Sicht ist es eine hohe Kunst, die Täter bereits zu Anfang der Geschichte zu benennen und dann die Spannung bis zur letzten Seite aufrecht zu erhalten. Minato ist dies meisterhaft gelungen und dafür gibt’s von mir volle 5 von 5 möglichen Mimis.

 

Informationen zum Buch

Kanae Minato „Geständnisse“
aus dem Japanischen von Sabine Lohmann
ET: 27.03.2017

Gebunden, 272 Seiten, €16,99
C. Bertelsmann

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