Thriller-Steckbrief zu „Der Bruder“ von Joakim Zander

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Kurz & knapp: Worum geht es?

Zwei Geschwister landen als Flüchtlinge in einer schwedischen Vorstadt. Sie wachsen dort auf, bleiben aber trotzdem Fremde, trennen sich und als junger Mann findet Fadi Freunde im Internet. Es sind Dschihadisten, er wird radikaler Muslim, geht nach Syrien und unterstützt die Kämpfe. Als ein Dschihadistenführer samt seiner Anhänger in die Luft gesprengt wird, erkennt Fadi, dass er dafür von seinen schwedischen Freunden instrumentalisiert wurde. Er geht zurück in seine Vorstadt und will an ihnen Rache üben.

Seine Schwester Yazz erfährt von Fadis Wegen und kehrt aus New York ebenfalls zurück zu der Vorstadt, um ihn zu finden und vor Fehlern zu bewahren. Fast zu spät erkennen die beiden, dass sie in einen Plan einer russischen Sicherheitsfirma geraten sind, die gezielt Krawalle unterstützen. Sie wollen dadurch und durch Bestechung eines Instituts erreichen, dass Polizeiarbeiten innerhalb der EU demnächst teilweise auch von privaten Firmen übernommen werden können. Fadi und Yazz werden zu Gejagten und befinden sich in großer Gefahr.

Wer ist der interessanteste Protagonist?

Fadi erscheint mir fast langweilig stereotyp, aber vielleicht läuft eine Radikalisierung eines frustrierten Jugendlichen genau so ab. Er kann sich trotz aller Bemühungen nicht in der Gesellschaft integrieren, findet endlich Freunde, lässt sich von denen anstecken, folgt seinem neu gefundenen Traum nach Syrien und erlebt dort ein ernüchterndes Erwachen. Nicht überraschend, aber überzeugend dargestellt.

Ist der Thriller Teil einer Reihe?

Jein. Klara Walldéen kommt zwar auch schon im Debütroman von Joakim Zander vor, übernimmt im aktuellen Thriller aber eher eine Randrolle. Man muss „Der Schwimmer“ nicht gelesen haben, um „Der Bruder“ zu verstehen.

Wie blutig/eklig ist dieser Thriller?

Wenig. Klar, wenn eine Gruppe Kämpfer in Syrien in die Luft gesprengt werden, dann ist das eine blutige Angelegenheit. Aber der Autor weidet sich nicht in langen Beschreibungen der Leichen.

Sterben Tiere oder Kinder?

Nein.

Wie hoch ist der Love-Factor?

Sehr gering. Yazz trennt sich von ihrem Freund und hat einen Verehrer, aber hauptsächlich geht es um Geschwisterliebe und die Bindung zwischen alten Freunden.

Welche Themen kommen im Thriller vor?

Im ersten Handlungsstrang geht es um Flüchtlinge, misslungene Integration, Radikalisierung und die Frage, wem man vertrauen kann. Im zweiten Handlungsstrang geht es um Bestechung und politischen Lobbyismus von Privatfirmen.

Wie hat mir der Thriller gefallen?

Die Thematik hat mir gut gefallen und streckenweise hat mich die Handlung auch überzeugt, so dass ich den Thriller zu Ende gelesen habe. Aber immer hatte ich den Eindruck, wie sehr sich der Autor bemüht hat, den Erfolg seines Erstlings zu wiederholen – sei es durch übertrieben wirkende Formulierungen oder sehr konstruiert erscheinenden Situationen. Aus meiner Sicht hätte es dem Thriller gut getan, inhaltlich ein wenig gestrafft zu werden und deshalb vergebe ich insgesamt 3 von möglichen 5 Mimis.

 

Informationen zum Buch

Joakim Zander „Der Bruder“
Übersetzt aus dem Schwedischen von Ursel Allenstein und Nina Hoyer
ET: 24.06.2016

Taschenbuch, 464 Seiten, €14,99
rowohlt Polaris

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