„Taxibar“ von Jörg Juretzka

Taxibar“ ist bereits der 11. Band von Jörg Juretzka über den Privatermittler Kristof Kryszinski. Wobei Kryszinski seine Detektei inzwischen geschlossen hat und statt dessen eine Kneipe im Bahnhofsviertel Mülheims übernommen hat. Aber wie immer gerät er mitten rein in den Schlammassel.
Obwohl „Taxibar“ sicher auch dann amüsant zu lesen ist, wenn man keinen der vorigen Bände kennt, empfehle ich trotzdem, mehr aus der Reihe zu lesen. Vielleicht nicht gleich alle 10, aber so 2-3 auf jeden Fall, um sich dem kauzigen Kryszinski zu nähern.

Worum geht es?
Durch Zufall gelingt Kryszinski in den Besitz eines Pakets mit 25 kg bestem Heroin darin. Und mit Tücke und Glück gelingt es ihm, dieses Paket aus Frankreich nach Mülheim zu transportieren. Er bittet seinen Nachbarn Geronimo, das Paket für ihn zu verstecken und wenige Tage später ist Geronimo tot.

Verschiedene Leute tauchen bei Kryszinski in der Bar auf, um ihm das Paket abzuknöpfen. Doch zum einen kommt er selbst gar nicht an das Paket ran, weil der Nachbar es in einem Safe versteckt hat, der erst geknackt werden muss. Und zum anderen will er den Stoff verkaufen und dadurch reich werden. Er weiss nur nicht, wie er das anstellen soll, ohne selbst dabei ermordet zu werden. Zwar liegt seine Kneipe mitten im Problemviertel Mülheims, aber abgesehen von Ausländerfeindlichkeit, Schutzgelderpressungen und sonstigen Belästigungen lässt er harte Kriminalität wie Drogenhandel in seiner Bar nicht zu.

Die Polizei wird immer ungeduldiger, als sie nach Geronimo noch weitere Leichen im Umkreis der Bar finden. Aber sie kommen in ihren Ermittlungen nicht weiter, Kryszinski lenkt sie mit aller Kraft auf die falsche Fährte eines Bandenkriegs und zu alledem soll Kryszinski nun auch noch 3 verschwundene Roma-Mädchen wiederfinden.

Was ist daran besonders?
Juretzka gelingt es immer wieder, schon allein durch seine Sprache die Atmosphäre eines Bahnhofsviertels im Ruhrgebiet perfekt zu vermitteln. Die Geschichte ist in der Ich-Perspektive Kryszinskis geschrieben und der denkt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Der raue Umgangston und die ruppigen Umgangsformen werden allerdings wunderbar ergänzt durch Kryszinskis Liebe zu seinem Hund und der pragmatischen Fürsorge seiner Angestellten. Wie immer bei Juretzka ist auch dieser Krimi ein Sammelsurium skurriler Ereignisse, die einerseits unglaubwürdig scheinen, andererseits aber in sich einer schlüssigen Logik folgen.

Wie gefällt es mir?
Ich mag diesen rauen, umgangssprachlichen Schreibstil sehr und die Art, wie Juretzka ernste Themen wie Ausländerfeindlichkeit in den Denkmustern der Protagonisten einbaut. Und bei aller frustrierenden Realität eines Alltags voller Langeweile und Gewalt gelingt es Juretzka, dass Kryszinski nach seinen eigenen Wertvorstellungen lebt und mit seinem Leben im Großen und Ganzen zufrieden ist.
Einen Mimi ziehe ich dafür ab, dass Kryszinski nicht so viele Tagträume hat wie sonst. Ich liebe es, wenn er seine Reaktionen beschreibt und gleich danach denkt „war nur Spaß“ – das kam allerdings in vorigen Bändern häufiger vor als in der „Taxibar“. Trotzdem noch knappe 4 von 5 Mimis für diesen unterhaltsamen Krimi.

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