„Montecristo“ von Martin Suter

Thriller Suter Montecristo

Martin Suter ist sicher den meisten von Euch bekannt als vielseitiger Autor. Mein Lieblingsroman von ihm ist immer noch „Small World„, gerade in neuem Gewand als Leinenausgabe im Diogenes Verlag erschienen. Aber auch seine „Business Class“-Geschichten gefallen mir und wenn ich mal eine Pause von harter Krimikost benötige, dann lese ich zur Entspannung auch seine Krimireihe um Allmen. Mit  „Montecristo“ hat Suter nun einige seiner Interessen miteinander verbunden und einen Thriller geschrieben, der in der Schweizer Finanzwelt spielt.

Worum geht es in diesem Thriller?

Als der Videojournalist Jonas Brand in einem Zug festsitzt, der wegen eines Personenschadens abrupt hält, filmt er spontan die Reaktion seiner Mitreisenden. Noch weiß er nicht, was er mit dem Material anfangen kann. Aber er ist unzufrieden mit seiner Tätigkeit als Boulevard-Reporter und träumt von der Realisierung eines eigenen Films. Die Geschichte dazu hat er schon vor sechs Jahren geschrieben und sogar der Titel steht schon fest: „Montecristo“. Aber niemand hat sich zur Finanzierung des Films gefunden.

Zufällig entdeckt Jonas Brand, dass er zwei Hunderter-Banknoten mit der gleichen Seriennummer besitzt. Sein Bankberater bestätigt irritiert die Echtheit beider Scheine, kurze Zeit später wird seine Wohnung von Fremden durchsucht und dann wird Brand auch noch von Unbekannten überfallen und ausgeraubt. Aber die beiden Banknoten hat Brand so gut versteckt, dass er sie noch hat. Er zeigt sie seinem alten Bekannten Max Gantmann, der als ausgewiesener Finanzexperte sofort die Besonderheit der Situation erkennt und Brand warnt. Aus Versehen können technisch gesehen keine zwei identischen Banknoten gedruckt werden und falls es Absicht ist, möchte der Verursacher davon sicher nicht, dass dies öffentlich wird.

Gantmann wähnt Brand also in Gefahr, während die Polizei ihn für einen Spinner hält und seine Freundin ihn ermutigt, seine beruflichen Träume zu verwirklichen. Und tatsächlich ergibt sich für Brand diese Chance, als seine Idee zu „Montecristo“ nun doch Fördermittel erhält und er Regie führen soll.

Selbstverständlich hängen die Arbeiten am Filmprojekt, die identischen Banknoten und der Personenschaden miteinander zusammen. Aber wie, das verrate ich hier natürlich nicht.

Was ist an diesem Thriller besonders?

Dieser Thriller spielt mit der Fantasie des Lesers: Ist Brand tatsächlich in eine höchstbrisante Situation gestolpert oder versteigt er sich in Verschwörungstheorien? Dabei muss man kein Finanzexperte sein, um die Brisanz der Geschichte nachvollziehen zu können. Statt dessen kann man mit knobeln, wie die einzelnen Aspekte miteinander verflochten sind und sich selbst dabei immer wieder fragen, ob dies tatsächlich möglich ist. Durch diesen Knobelcharakter und die parallele Entwicklung einer Liebesbeziehung zwischen Brand und seiner neuen Freundin ist „Montecristo“ ein Thriller auch für Nicht-Thriller-Fans.

Wie gefällt er mir?

Wie Suter die einzelnen Handlungsstränge miteinander verwebt, gefällt mir außerordentlich gut. Die Protagonisten überzeugen durch Glaubwürdigkeit, sind aber allesamt ein wenig schablonenhaft entworfen. Besonders in der Liebesbeziehung hätte ich mir weniger Beschreibungen gewünscht, was die Frau gerade trägt oder eben nicht trägt. Leider hat mich zudem das Ende nicht überzeugt, so dass ich trotz der inhaltlich guten Unterhaltung insgesamt 3 von 5 möglichen Mimis vergebe.

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