Krimi-Steckbrief zu „Trümmerkind“ von Mechtild Borrmann

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Kurz & knapp: Worum geht es?

In den letzten Kriegstagen ist die Familie Anquist hin und her gerissen: Bleiben sie in der Uckermark und versuchen, nach dem Kriegsende hier neu anzufangen? Oder fliehen sie wie alle anderen vor den Russen in den Westen? Dass es ganz anders kommt als gedacht, hätten sie nie erwartet.

Aber auch in der englischen Besatzungszone ist das Leben in der Nachkriegszeit kein Zuckerschlecken. Agnes Dietz klopft Steine, ihr Sohn Hanno versucht sein Glück auf dem Schwarzmarkt und die kleine Wiebke betritt keinen Keller mehr, seitdem die Familie ausgebombt wurde. Und dann bringen die Kinder eines Tages noch einen kleinen Jungen mit nach Hause, der verloren mitten in Trümmern stand. Wovon soll Agnes sie alle ernähren? Zum Glück hat sie eine Nähmaschine, aber leider auch missgünstige Nachbarn.

In den 90er Jahren macht Anna Meerbaum sich Sorgen um ihre Mutter Clara, die immer öfter zur Flasche greift. Clara hat sich als Wirtin durchgeschlagen und manchmal erzählt sie, dass sie nach dem Krieg nach Afrika gereist ist. Aber wenn Anna sie zur Kriegszeit befragt, wird Clara unwirsch und aggressiv. Gerade das macht Anna noch neugieriger. Was verheimlicht ihre Mutter vor ihr?

Ist der Krimi Teil einer Reihe?

Nein.

Wie blutig/eklig ist dieser Krimi?

Zum Kriegsende geht es nicht zimperlich zu, aber das ist nicht der Hauptfokus. Schlimmer habe ich bei den psychischen Qualen gelitten, die den Figuren zugefügt werden.

Der Hauptermittler in einem Satz

Es gibt keinen klassischen Ermittler in diesem Krimi. Aber die Lehrerin Anna Meerbaum und der Fotograf Joost Dietz kommen durch ihre Neugier getrieben nicht nur ihrer eigenen Vergangenheit, sondern dabei auch einem bis dato ungeklärten Verbrechen auf die Spur.

Sterben Tiere oder Kinder?

Tiere nicht, Kinder schon.

Wie hoch ist der Love-Factor?

Romantische Liebe sucht man hier vergebens. Aber die Liebe zur Familie ist ein tragender Faktor, genau wie Nächstenliebe. Und wenn ein Mann aus dem Krieg heim kommt, dann hat sich die frühere Liebe verändert, aber wenn der Zusammenhalt bleibt, dann ist ja auch das eine Form der Liebe.

Mein Lieblingssatz aus dem Krimi

„Sie hatte sich eingeredet, ein Recht auf die Vergangenheit der Mutter zu haben. Aber war das wirklich so? Hatte sie einen Anspruch darauf, alles über ihr Leben zu wissen, nur weil sie die Tochter war?“

Wie hat mir der Krimi gefallen?

Mechtild Borrmann begeistert mich immer wieder mit ihrem Talent, Schicksale so lebendig zu erzählen, dass es vor Schmerz kaum weiterlesen kann. Und wie so oft verbindet sie auch hier unterschiedliche Erzählstränge leicht und locker miteinander, so dass nach und nach die Puzzleteile stimmig ineinander greifen.

Borrmann schafft Figuren, die mir so ans Herz wachsen, dass sich mir bei jedem Leid und jeder Ungerechtigkeit der Magen zusammen zieht. Mit der Zeit bin ich den Verbindungen zwischen den Figuren auf die Spur gekommen und ab da hab ich befürchtet, was wohl noch kommt. Und es kam schlimmer.

Dieser Krimi hat mich in die Seelen der Handelnden blicken lassen und zeichnet Schicksale nach ohne Effekthascherei. Er kann gar nicht weniger als 5 von 5 Mimis bekommen. Und ich habe aus Begeisterung auch noch das Hörbuch gehört, das von Vera Teltz mit warmer Stimme vorgelesen wird. Auch hier braucht es keine dramatischen Betonungen, um die Dramatik der Handlung vor meinem inneren Auge entstehen zu lassen und genau das finde ich wunderbar.

Informationen zum Hör-/Buch

Mechthild Borrmann „Trümmerkind“
ET: 02.11.2016

Hardcover, 304 Seiten, €19,99
Droemer

Ungekürzte Lesung, 6 CDs, 7 Stunden und 44 Minuten, €12,95
Gelesen von Vera Teltz
Argon Verlag

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