Krimi-Steckbrief zu „Schlaflied“ von Cilla & Rolf Börjlind

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Kurz & knapp: Worum geht es?

Ein Junge wird ermordet im Wald gefunden, neben ihm liegt ein Dolch mit einer rumänischen Inschrift. Die Polizei ist geschockt von der Brutalität, folgt erst einer Spur zu einem Pädophilen und fliegt dann nach Bukarest. Was sie dort erleben, ist noch erschreckender, denn die sozial Schwächsten leben in den unterirdischen Gängen der Kanalisation und dort Fragen zu stellen ist nicht willkommen. Rönning & Stilton entkommen knapp den unterirdischen Kanälen und zumindest kennen sie jetzt die Identität des ermordeten Jungen. Der Dolch führt sie zudem auf die Spur einer Gang und wie störend der Gangsterboss die Einmischung der schwedischen Polizei findet, lässt er sie spüren – erst ganz subtil, und dann zunehmend drohend.

In Schweden werden derweil zwei weitere tote Kinder gefunden. Sie sind Flüchtlingskinder und vor ihrem Tod wurden ihnen die Nieren entnommen. Genau wie dem Roma-Jungen. Rönning & Stilton wollen es kaum glauben, aber sie könnten hinter jemandem her sein, der methodisch allein reisende Kinder, die niemand vermisst, wortwörtlich ausnehmen und danach entsorgen.

Ist der Krimi Teil einer Reihe?

Ja, dies ist der vierte Band um das Ermittlerduo Olivia Rönning und Tom Stilton. Die ersten drei Bände heißen „Die Springflut„, „Die dritte Stimme“ und „Die Strömung„. Und nach „Schlaflied“ ist sicher nicht Schluss.

Wie blutig/eklig ist dieser Krimi?

Man muss schon hartgesotten sein, um die Erkundungstour durch Bukarests Kanalisation zu ertragen, in der Menschen dahin vegetieren. Und die Morde an den Kindern sind auch widerlich.

Die Hauptermittler in einem Satz

Stilton ist ein Kauz mit Herz, ein ehemaliger Obdachloser mit entsprechend bodenständigem Netzwerk und ein ehemaliger Kriminalkommissar, der sich beweisen will und der immer noch mehr auf seine Instinkte als auf Regeln gibt. Rönning ist mutig, geraderaus und perfekt auf Stilton eingespielt.

Sterben Tiere oder Kinder?

Ja, fast alle Opfer sind Kinder und wie sie getäuscht und getötet werden, ist entsetzlich.

Wie hoch ist der Love-Factor?

Liebe kommt in diesem Krimi vor, wie sie halt im Leben überhaupt vorkommt. Nicht mehr und nicht weniger.

Mein Lieblingssatz aus dem Krimi

„Zwei Kilometer lange, dunkle unterirdische Gänge, bevölkert von zugedrehten, in Lumpen gehüllten Menschen, die jammern und schreien, die sich prügeln und nur durch ein Loch irgendwo in einem Hinterhof die Möglichkeit haben, rauszukommen.“

Wie hat mir der Krimi gefallen?

Die Börjlinds nehmen in diesem Krimi das politische Thema von Flüchtlingskindern auf und verbinden es geschickt mit persönlichen Erfahrungen der Ermittler. Stilton lebte selbst einige Jahre als Obdachloser, seiner Freundin gewährt 11 Flüchtlingen zeitweise Unterschlupf auf deren Hausboot und Rönning hilft hin und wieder selbst am Hauptbahnhof aus. Wie konsequent brutal die Schutzlosigkeit von alleinreisenden Kindern von Kriminellen ausgenutzt werden kann, wollte ich mir noch nie so bildlich vorstellen, wie es hier ausgemalt wird. Das ist erschütternd, weil es real genau so geschehen könnte.

Neben der verstörenden Handlung setzen Cilla & Rolf Börjlind auf Normalität im Leben der Ermittler. Wer diese Reihe von ersten Band an liest, wird sich wie ich daran erfreuen, dass Stilton privat in ruhigem Fahrwasser schwimmt. Rönning dagegen ist ungewollt schwanger und deren Chefin Mette lässt zum Abschluss des Falls eine Bombe platzen. Das und die Anfangsszene auf den Philippinen lässt mich ungeduldig auf Band fünf warten.

Sprachlich ist dieser Krimi allerdings eher leichte Kost und an einigen Stellen ist er mir ein wenig zu langatmig, weshalb ich mit vier von fünf möglichen Mimis nicht ganz die Höchstzahl vergebe. Aber ich bin ja auch schwer zu begeistern 😉

 

Informationen zum Buch

Cilla & Rolf Börjlind „Schlaflied“
aus dem Schwedischen von Christel Hildebrandt
ET: 20.02.2017

Klappenbroschur, 576 Seiten, €15,-
btb

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