Interview mit Antti Tuomainen zu „Die letzten Meter bis zum Friedhof“

Antti Tuomainen, Krimi, Thriller, Noir, Roman, Finnland, Jan Costin Wagner, Niina Katariina Wagner, Pilze, Vergiftung, Mörder, Untreue, Freundschaft, Liebe, Leben, Tod, Autor, Finne, Die letzten Meter bis zum Friedhof, Interview, Krimimimi

Der finnische Autor Antti Tuomainen hat inzwischen sieben Romane veröffentlicht, aber auf Deutsch sind gerade mal drei davon erschienen. Er gilt in Finnland als der „König des Noir“ und in Deutschland ist es definitiv Zeit, dass ihn mehr Leser entdecken.
Seine Romane „Der Heiler„, „Todesschlaf“ und „Die letzten Meter bis zum Friedhof“ sind so unterschiedlich, dass für jeden etwas dabei sein sollte. Ich hab den Autor vor ein paar Jahren auf der Buchmesse Frankfurt zu einem Interview getroffen und seine offene, aufmerksame Art, über seine eigenen Geschichten zu reflektieren, hat mich nachhaltig beeindruckt. Daher hab ich mich total gefreut, als nach fast vier Jahren Stille „Die letzten Meter bis zum Friedhof“ erschienen ist.
Hierin geht es um einen Mann, der beim Arzt erfährt, dass er vergiftet wurde und nur noch kurze Zeit zu leben hat. Als er völlig verstört nach Hause rast, um mit seiner Frau zu besprechen, wie es weitergehen soll, ertappt er sie in flagranti beim Sex mit einem Angestellten. Auf wenigen Seiten zerstört der Autor also eindrucksvoll ein Leben und lässt den Mann danach mit ganzer Kraft seinen eigenen Mörder suchen. Eben auf den letzten Metern  bis zum Friedhof.

Welche Genres hast Du für diesen Roman miteinander kombiniert?

Um das zu beantworten, muss ich ein wenig ausholen. Vor einigen Jahren wurde mir klar, dass ich eine Veränderung brauchte. Ich hatte bis dahin fünf sehr düstere Romane veröffentlicht, von der Dystopie „Der Heiler“ bis in den eisigen Norden von „The Mine“ (Anmerkung: bisher nicht auf deutsch erschienen) und ich wollte etwas anders machen. Ich wollte mehr von mir, mehr Humor in meine Romane einbringen. Am stärksten beeinflusst wurde ich von amerikanischen Noirs und Comedy in vielen Ausprägungen. Also hab ich diese zwei Leidenschaften jetzt miteinander kombiniert und den Noir Comedy Roman geschrieben, den ich unbedingt schreiben wollte.
Also kurzgesagt erwartet den Leser eine düstere Atmosphäre, schwarzer Humor und eine Liebesgeschichte. In einem Buch, das für mich eine wichtige Veränderung markiert.

Es geht im Buch direkt um die essentiellen Dinge im Leben wie Liebe, Freundschaft, Betrug und Tod. Wie gelingt es Dir, so locker im Ton zu bleiben?

Ich bin bei meinen Büchern natürlich ein wenig befangen. Aber ich denke, es gibt ein wesentliches Element, das hier entscheidend ist und das ist Humor. Wenn man das Leben und gerade die wichtigen Dinge im Leben mal von einem etwas anderen Blickwinkel betrachtet, dann kann man in der Tragik auch Komik erkennen. Das ist wirklich manchmal einfach eine Frage der Perspektive.

Hast Du eine Lieblingsszene in diesem Buch?

Nein, ich bin tatsächlich sehr glücklich damit, wie „Die letzten Meter bis zum Friedhof“ als Ganzes geworden ist. Es ist ein Roman, den ich schreiben wollte und musste und ich habe hart daran gearbeitet. Um so schöner ist es jetzt, das fertige Buch zu sehen.

Der Handlung vorangestellt ist der Hinweis, dass Du Dir große künstlerische Freiheiten bei geographischen, medizinischen und naturwissenschaftlichen Fakten genommen hast. Was in diesem Roman ist denn eigentlich realistisch?

Alles über das Leben, die Liebe, Tod, Freundschaft, Betrug – und über Pilze natürlich.

Ah ja, die Pilze. Warum eigentlich Pilze?

Das wird wieder eine etwas längere Geschichte. In der ersten Version des Manuskripts hat meine Hauptfigur in einer Werbeagentur gearbeitet. Nach 60 oder 70 Seiten hab ich dann aber gemerkt, dass das weder witzig noch  interessant war. Zumindest nicht für mich. Ich denke, das lag daran, dass ich selbst für 12 Jahre in Werbeagenturen gearbeitet habe und das nicht annähernd so glamourös ist wie es in Filmen immer dargestellt wird. Und wenn es für mich langweilig ist, dann wird es auch für meine Leser langweilig sein.
Die nächsten Wochen waren schwierig, weil ich keine Ahnung hatte, was ich meine Hauptfigur arbeiten lassen soll. Bis ich mich eines Morgens an einen Zeitungsartikel erinnerte, in dem jemand spekulierte, ob man wohl Geld damit verdienen könne, wenn man bestimmte finnische Waldpilze frisch nach Tokio bringen würde. Niemand macht das in Wirklichkeit. Aber ich begann mich in die Welt der Pilze einzuarbeiten und habe dieses Exportgeschäft erfunden. Es hat mir so viel Spaß gemacht, dieses Geschäft zu erfinden, dass es geben könnte. Diesen Spaß überträgt sich hoffentlich beim Lesen.

Welches Gefühl möchtest Du beim Leser nach der Lektüre erzeugen?

Ich hoffe, meine Leser mit der Geschichte berühren zu können und dass sie hier und da herzhaft gelacht haben. Vielleicht haben sie auch ein wenig mit meiner Hauptfigur Jaakko Kaunismaa in seiner Welt und seiner kleinen Stadt in Finnland gelebt. Ich hoffe, einige der großen Fragen über Liebe, Tod und Leben klingen in ihnen nach und dass sie das Buch einfach gerne gelesen haben.

Du schreibst ja sehr unterschiedliche Romane. Hast Du schone eine Idee für Dein nächstes Buch im Kopf?

In Deutschland wird als nächstes 2019 „Palm Beach Finland“ erscheinen. Ein Kritiker hat dazu gesagt: „Fargo meets Baywatch“, das trifft es meiner Meinung nach sehr gut.

Vielen Dank, Antti Tuomainen.

 

Copyright Artikelfoto: Ville Juurikkala

 

Informationen zum Buch

Antti Tuomainen „Die letzten Meter bis zum Friedhof“
aus dem Finnischen von Niina Katariina Wagner und Jan Costin Wagner
ET: 24.01.2018

Hardcover, 320 Seiten, €19,95
Rowohlt Hundert Augen

About the author:

. Follow him on Twitter / Facebook.

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.