„In der Nacht“ von Dennis Lehane

Ich sehe ja sehr wenige Filme und daher hat mir der Name Dennis Lehane erstmal nichts gesagt, als mir der Diogenes Verlag stolz sein neues Werk „In der Nacht“ ankündigte. Aber als ich dann las, dass basierend auf Lehanes Büchern „Mystic River“ und „Shutter Island“ gedreht wurden, hat es auch bei mir im Kopf geklickt. Sofort war klar, dass ich mich auf „In der Nacht“ freute und ich verrate einfach schon mal, dass meine Hoffnungen nicht enttäuscht wurden. Lehane hat mich überzeugend in das Amerika der 20er und 30er Jahre entführt.

Worum geht es?
Als Joe Coughlin eine Spielhölle ausraubt, trifft er dabei auf Emma Gould und verliebt sich vom Fleck weg in sie. Die beiden beginnen eine Affäre, obwohl Emma bereits die Geliebte des Gangsterbosses Albert White ist. Joe möchte mit Emma durchbrennen und überfällt vorher eine Bank, um das nötige Kleingeld für ihr neues Leben zu haben. Doch als er danach Emma trifft, um mit ihr wegzufahren, stellt sich ihm Albert mit seinen Schlägern in den Weg. Sie sind auf dem besten Weg, Joe zu Tode zu prügeln, als die Polizei eintrifft und Joe einsperrt. Dummerweise gab es nämlich beim Banküberfall 3 Tote und Joe steht unter Mordverdacht.

Joe wird zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt und gerät dort zwischen die Fronten zweier rivalisierenden Gangsterbanden. Mit viel Mut und List überlebt er nicht nur sämtliche Angriffe, sondern gewinnt sogar das Vertrauen Masos, der sogar aus dem Gefängnis hinaus noch den illegalen Handel mit Alkohol sowie Spielhöllen und Bordelle in großen Teilen der USA kontrolliert. Nachdem Joe frei kommt, wird er Masos Statthalter in Florida und beginnt da ein neues Leben. Zumindest teilweise, denn natürlich ist er immer noch ein Ganove. Aber einer, der sich für keinen Gangster hält, sondern für einen Gesetzlosen mit einer eigenen Moral. Doch kann er dieser Moral treu bleiben, je mächtiger er wird?

Was ist daran besonders?
„In der Nacht” ist die Geschichte eines jungen Mannes, der eine schöne Frau überschwänglich, fast fiebrig liebt, ihr blind vertraut und von ihr verraten wird. Genauso ist es die Geschichte eines schwierigen Verhältnisses zwischen Vater und Sohn, das mit offener gegenseitiger Distanziertheit beginnt und sich wandelt, als der Sohn ins Gefängnis kommt und der Vater deshalb seinen Job verliert. Und natürlich ist es ein Gangsterepos, das uns in die Sprache und das Lebensgefühl der Prohibition versetzt, von Schmuggel und Moral und Gewalt und Ganovenehre.

Wie gefällt es mir?
Lehane schreibt sehr bildlich und so hab ich vor meinem inneren Auge schon den Film gesehen, der erst demnächst gedreht wird – zumindest sind die Filmrechte an Leo DiCaprio bereits verkauft. Alle Handlungsstränge webt Lehane schlüssig zusammen und sprachlich passt die Wortwahl perfekt zu der Zeit und Atmosphäre. Nur der Spannungsbogen hat aus meiner Sicht über die 592 Seiten hinweg manchmal nachgelassen. Daher vergebe ich keine 5, aber immerhin klare 4 von 5 möglichen Mimis samt Lese-Empfehlung.

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