„Ich töte lieber sanft“ von George V. Higgins

Letztes Jahr kam “Killing me softly” in die Kinos, ein Noir im Mafia-Milieu der 70er Jahre in Boston. Das Buch zu diesem Film hat George V. Higgins geschrieben und der Kunstmann Verlag hat es unter dem Titel “Ich töte lieber sanft” diesen Herbst veröffentlicht.

Worum geht es?
Zwei Kerle überfallen eine illegale Pokerrunde. Das geht ganz schnell und effizient von statten, weil sie wissen, dass keine Bodyguards zur Sicherheit engagiert sind. Zudem gehen sie davon aus, dass der Verdacht auf den Veranstalter namens Mark selbst fällt, denn der hat vor einigen Jahren schon mal seine eigene Pokerrunde ausgeraubt. Mark hatte es erst später zugegeben, als schon Gras über die Sache gewachsen war und er kam ungeschoren davon. Wieso also nicht davon ausgehen, dass er den gleichen Coup nochmal veranstaltet?

Nur dass auf diese Idee der Ganove Johnny gekommen ist und die 2 Kleinkriminelle überzeugt, den Raub für ihn auszuführen. Sie kennen einander aus dem Gefängnis, in dem alle schon mehrere Jahre saßen, sind recht frisch raus und brauchen schnelles Geld für den Neuanfang.

Nach dem Überfall sind die Zocker verunsichert und sämtliche Pokerrunden in der Stadt pausieren, was den Drahtziehern dieser Runden nicht gefällt. Also beschliessen sie, Cogan mit dem Job zu betrauen herauszufinden, was wirklich passiert ist. Cogan ist ein harter Kerl und heuert erstmal zwei Handlanger an, die Mark gründlich verprügeln, aber nur Unschuldsbeteuerungen aus ihm herausbekommen. Also beginnt Cogan zu vermuten, dass jemand Mark nur die Schuld in die Schuhe schiebt, weil der Gedanke so nahe liegt, und dabei selbst gross Kasse gemacht hat. Cogan macht sich auf die Suche, hört sich um und tatsächlich findet er Hinweise auf Johnny und seine Jungs. Um nicht auf heimischen Terrain aktiv zu werden, heuert er einen anderen Profikiller an, Johnny kalt zu machen. Doch der andere hat seine besten Tage hinter sich gelassen und Cogan traut ihm zwischen all den Huren und Alkoholexzessen keinen zuverlässig ausgeführten Mord mehr zu.

Allerdings hat er versprochen, sich um das Problem zu kümmern. Also her mit Plan B.

Was ist daran besonders?
Dieses Buch besteht gefühlt ausschließlich aus Dialogen. Die Dialoge transportieren die Beziehungen der Personen untereinander, wie sehr sie an ihren Frauen hängen und wie schwierig es ist, eine Horde Hunde durch halb Amerika zu transportieren. Die Gewalt findet fast nebenbei statt, als Teil der Alltäglichkeit. Und während ich den Protagonisten zuhöre, sehe ich sie fast vor mir.

Wie gefällt es mir?
Das Buch ist durch die viele Dialoge so lebendig, dass es nahe lag, das zu verfilmen. Auch ich hab von Anfang an die Handlung als Film vor meinem inneren Auge gesehen. Stilistisch hat es mir sehr gut gefallen: Die Handlung ist knallhart, durch die lockere Sprache wirkt es aber trotzdem nicht besonders brutal. Und trotz dem es wegen der vielen Dialoge schnell und flüssig zu lesen ist, musste ich mich ordentlich konzentrieren, um mir zu merken, welcher Ganove wie zu wem steht.

Nur Spannung wollte bei mir nicht so richtig aufkommen. Mir war von vornherein klar, dass sich hier ein Haufen Ganoven trifft, die sich untereinander eliminieren. Die Frage war lediglich, wer am Ende übrig bleibt 😉 Daher gibt es einen Mimi Abzug, es bleiben trotzdem stolze 4 von möglichen 5 Mimis.

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