„High Life“ von Matthew Stokoe

High Life” von Matthew Stokoe ist schon im Frühjahr 2012 auf deutsch erschienen und wurde bereits von einigen Medien als Buchtipp empfohlen. Zudem sagte mein Co-Moderator Alf Mentzer, dies Buch sei das Härteste, was er je gelesen hat und so hat es mich natürlich sehr interessiert.

Um’s vorweg zu sagen: Für mich ist das Buch trotzdem nix.

Wir befinden uns Ende der 90er Jahren in L.A. Jack ist 22, möchte als Moderator reich und berühmt werden, arbeitet allerdings als Donut-Verkäufer und ist mit der Prostituierten Karen verheiratet. Was Karen nicht davon abhält, weiter anzuschaffen und Jack steht dem mehr und mehr gleichgültig gegenüber. Eines Tages überrascht Karen ihn mit einem Auto als Abschiedsgeschenk. Sie hätte ihre Niere für 30 Tsd Dollar verkauft und würde vom Rest des Geldes ein Leben ohne ihn beginnen. Sie streiten und trennen sich und 8 Tage später liegt sie tot in einem Abwasserkanal. Da fehlt ihr dann allerdings nicht nur die Niere, sondern praktisch alle inneren Organe bis auf das Herz.

Jack weint ihr nicht nach. Aber es stört ihn doch, dass der Polizist Ryan ihn der Tat verdächtigt. Ryan heftet sich an Jacks Fersen, während Jacks Leben immer extremer wird. Den Job als Donut-Verkäufer gibt er auf und beginnt, sich auf dem Strich anzubieten. Dazu führt ihn ein Freund bei einem Escort-Service für die High Society ein und Jack hat wenig Hemmungen, auch ausgefallene sexuelle Vorlieben zu bedienen. Bei einem dieser Jobs lernt er die reiche Bella kennen, die ihr Vermögen u.a. in einen Fernsehsender investiert hat und Jack zu seiner sehnsüchtig erwarteten Moderatorenkarriere verhilft. Zudem leben auch die beiden einige extreme Seiten an sexuellen Bedürfnissen aus. Ryan entwickelt derweil den Verdacht, dass Bella Karen ermordet hat und rückt Jack und Bella immer näher auf die Pelle.

Der Mordfall und die Tätersuche steht meiner Meinung nach allerdings im Hintergrund dieses Krimis. Vielmehr ist es eine immer widerlicher werdende Ansammlung von hemmungsloser Gewalt und Machtexzessen. Jack und die meisten anderen Protagonisten sind permanent high von allerlei Drogen. Da werden munter Heroin, Crack, Alkohol und Beruhigungstabletten gemischt. Übrigens auch von den Polizist Ryan, der wie alle anderen ständig bekifft Auto fährt. Die ausgelebten sexuellen Abgründe sind vielfältig und beinhalten SM-Praktiken, Fäkalsex, Onanieren mit Tatortfotos ermordeter Frauen, Schändung von Leichen und Jack und Ryan gehen sogar zu einem “Event”, bei dem einer jungen Frau als Höhepunkt die Genitalien mit einem Schlagbohrer zerstört werden – woran sie natürlich qualvoll stirbt. Das war übrigens der Punkt, an dem ich das Buch fast weggelegt habe. Das war eindeutig das widerlichste, was ich je gelesen habe. Und darauf folgen noch 300 Seiten. In gewisser Weise bin ich wie Jack im Laufe der Geschichte verroht. Was er erlebt, wird immer extremer und als Leserin war ich schon froh, wenn mal jemand den Sex überlebt. Als Test, wieviel verstörende Brutalität man als Leser verträgt, kann man das Buch durchaus lesen. Von mir bekommt es allerdings nur 1 Mimi.

Die Widerlichkeit der Aktivitäten überstrahlt in meinen Augen alles andere an Handlung. Andere Rezensionen betonen, dass Jacks Karriere als Moderator immer stärker voranschreitet, je tiefer sein Privatleben in der Gosse landet. Ich kann darin allerdings keine Gesellschaftskritik sehen, die neu oder inspirierend auf mich wirkt.

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