„Er ist wieder da“ von Timur Vernes

Was hab ich mich geziert! Das Buch und das Hörbuch führen ja seit Wochen die Bestsellerlisten an. Aber dann hab ich die Hörprobe gehört und fand das heftig: Christoph Maria Herbst liest ja wirklich im Hitler-Stil. Will ich das knapp 7 Stunden hören? Ich hab mir einen Schubs gegeben … und bin darüber sehr froh. „Er ist wieder da“ ist der Debütroman von Timur Vermes und da hat ist ihm echt ein Knaller gelungen.

Worum geht es? Hitler wacht 2011 auf einem verlassenen Grundstück in Berlin auf. In seiner Uniform, die inzwischen unschön riecht, aber ohne Macht, Stab, Eva und Geld – und dazu mitten im Frieden. Um herauszufinden, in welchem Jahr er sich befindet, schaut er an einem Kiosk die Zeitungen durch. Der Kiosk-Inhaber sieht in ihm einen Comedian, der gerade ein wenig Unterstützung braucht. Als Hitler-Darsteller hält er ihn für grandios, aber sein Privatleben scheint ein wenig aus der Bahn geraten. Also bittet er ihn, seine Uniform reinigen zu lassen, leiht ihm eigene Klamotten und stellt ihm einigen TV-Produzenten vor. Schliesslich ist das Produktionsstudio nicht weit von seinem Kiosk entfernt.

Hitler versucht also durch die Lektüre beim Kiosk zu verstehen, wie die Welt heute tickt und er ist froh, dass er so schnell nach seinem Aufwachen die Gelegenheit erhält, zum Volk zu sprechen. Er verkündet konsequent seine Weltsicht und lernt nebenbei die Möglichkeiten des „Internetz“ kennen. Seine Produzenten bewegen sich auf dünnem Terrain in der Wahrnehmung Hitlers in der Presse, doch die Zuschauer sind größtenteils begeistert und die Vorschläge der Produzenten, diese Popularität weiter auszubauen, werden immer kreativer.

Was ist daran besonders? Oft hab ich aus vollem Herzen gelacht, und direkt danach ist mir das Lachen im Hals stecken geblieben. So absurd einige Situationen auch scheinen, so beängstigend sind sie im nächsten Moment. Genau so muss eine gute Satire sein. Und Hitler wieder aufwachen zu lassen ist ja echt ein heikles Thema.

Wie gefällt es mir? Ich bin schwer beeindruckt. Sehr oft hatte ich den Eindruck, genau so könnte das laufen, wenn sich jemand dieser Tage überzeugend als Hitler ausgibt und als Künstler wahrgenommen wird. Ich kenne ja nur das gekürzte Hörbuch, aber die Kürzung hat keine logischen Brüche gezeigt. Und Christoph Maria Herbst liest den Hitler so überzeugend, dass allein das Zuhören ein Genuss ist. Inhalt und Sprecher top, dafür kann es nur volle 5 von 5 Mimis geben.

About the author:

. Follow him on Twitter / Facebook.

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.