„Die Freunde von Eddie Coyle“ von George v. Higgins

„The Friends of Eddie Coyle“ ist bereits 1971 erschienen und damit genau so alt wie ich. Nicht nur das, es ist auch George v. Higgins Debütkrimi, der direkt ein internationaler Erfolg und sogar verfilmt wurde. Der Kunstmann Verlag hat dieses Buch nun neu übersetzen lassen und im Januar unter dem Titel „Die Freunde von Eddie Coyle“ erneut veröffentlicht. Mir hat schon „Ich töte lieber sanft“ vom gleichen Autor in der Neu-Übersetzung sehr gut gefallen und auch Alf war in unserer Krimisendung schwer begeistert davon (hier nochmal als Podcast nachzuhören). Ich ging also mit hohen Erwartungen ans Lesen.

Worum geht es?
Eddie hat ein Problem: Er wurde dabei erwischt, wie er Alkohol geschmuggelt hat und jetzt droht ihm ein Aufenthalt im Knast. Da will er natürlich nicht rein, denn meist betätigt er sich jetzt als Waffenhändler und davon lebt er ganz gut. Er stellt wenig Fragen, liefert in der Szene verlässlich Waffen für alle Gelegenheiten und sieht zu, dass er nicht zwischen die Fronten gerät. Vor ein paar Jahren ist nämlich genau das passiert und es tat verdammt weh, als seine Hand in der Schublade einer Kommode lag, die mit Schwung zugehauen wurde und er danach nach eigener Aussage 4 neue Gelenke in den Fingern hatte. Nicht nur deshalb lautet Eddies Spitzname zurecht „Fingers“.

Da ist es verlockend, als ein Polizist ihm einen Deal anbietet. Wenn Eddie konkrete Informationen über geplante Verbrechen liefert, will sich der Polizist für ihn einsetzen. Aber wie viel weiss Eddie wirklich und ist das für ihn überhaupt ein guter Deal? Und dann sind da auch noch die anderen, die durchaus wissen, dass Eddie in der Klemme steckt und jeder handelt nach der Maxime „Vertrauen klingt gut, Vorsicht klingt noch besser“.

Was ist daran besonders?
George v. Higgins kann wie kein anderer mit Dialogen eine Atmosphäre schaffen, in der ich als Leserin quasi mitten neben den Gangstern stehe. Mit ihnen Waffen verschiebe, überlege, wem ich trauen kann, in Rostlauben umherfahre und ein ambivalentes Verhältnis zur Polizei pflege. Ich höre beim Lesen quasi ihre Stimmen und auch wenn ich noch nie in Boston war, habe ich einen ganzen Kurzfilm im Kopf, wie es sich da als Gangster in den 70er Jahren gelebt hat. Faszinierend.

Wie gefällt es mir?
Ich mag es sehr, dass es sich hier um keinen in sich abgeschlossenen Fall handelt, sondern um ein Streiflicht auf die Gangsterszene, die vor der Handlung im Buch schon da war und auch nach dem Ende des Buchs weitergeht. Dieser Eindruck, quasi wie unsichtbar  eine kurze Zeit dabei sein zu dürfen in der Szene, ist besonders und macht die Handlung lebendig und echt. Sprachstil, Tempo und Authentizität der Handlung passen perfekt zueinander. Und das einzige kleine Manko ist wie schon bei „Ich töte lieber sanft“, dass es eben kein Zuspitzen auf einen Höhepunkt gibt, sondern dass man bei all den Gangstern von vornherein weiss, ein paar wird es erwischen, ein paar nicht. Herauszufinden, wer aber auf welcher Seite steht, ist ein großes Lesevergnügen und klare 4 von 5 möglichen Mimis wert.

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