„Der Fall Collini“ von Ferdinand von Schirach

Schirachcollini

Ferdinand von Schnarch ist praktizierender Strafverteidiger und hat bisher 2 Bände mit Kurzgeschichten aus seinem kriminellen Erfahrungsschatz veröffentlicht. „Der Fall Collini“ ist sein erster Roman und ich habe mir sehr gewünscht, dass er mich genau so in seinen Bann zieht wie die Kurzgeschichten, von denen ich mir jeweils nur eine pro Abend erlaubt hatte, damit ich die Bücher länger geniessen kann.

„Der Fall Collini“ beginnt mit der Beschreibung eines grausamen Mordes, der aber ganz unaufgeregt durchgeführt wird. Der 67jährige Collini betritt das Hotelzimmer des 85jährigen Großindustriellen Hans Meyer und schiesst ihm in den Kopf. Danach setzt er sich in die Lobby und wartet auf die Polizei. Wer nun meint, die Spannung sei raus aus dem Buch, nur weil man den Mörder schon kennt, irrt. Denn Collini spricht kein Wort und sein Motiv bleibt auch nach 6 Monaten Polizeirecherche unbekannt. Parallel entspinnt sich die Geschichte um seinen Verteidiger, Caspar Leinen. Leinen übernimmt eifrig Collinis Pflichtverteidigung als seinen ersten Fall. Doch dann wird ihm klar, dass  der Ermordete sein „Ersatz-Opa“ war. Er ringt mich sich, die Verteidigung niederzulegen, aber schliesslich siegt sein professionelles Pflichtbewußtsein. Was ihm nicht leicht fällt, denn emotional hängt er immer noch an Meyer’s Enkelin und wie soll er ihr erklären, dass er den Mörder ihres Opas verteidigt – der ihn dazu fast wie einen eigenen Enkel behandelt hat. Doch die Zwiegespräche mit Mattinger, dem Anwalt der Gegenseite, verdeutlichen ihm immer wieder, warum er diesen Beruf ergriffen hat. Zudem will Leinen einfach nicht akzeptieren, dass das Mordmotiv Collini’s unbekannt bleibt und er beginnt, auf eigene Faust an zu ermitteln. Schon als der Prozess angelaufen ist findet Leinen sozusagen in letzter Minute tatsächlich eine Spur. Und was er aufdeckt ist nicht weniger als ein in Vergessenheit geratener, real geschehener Justizskandal der Nachkriegszeit und dessen Folgen. Plötzlich erscheint Collinis Tat in einem anderen Licht und Leinens Plädoyer scheint alles auf den Kopf zu stellen. Doch Mattinger ist ein alter Hase und reagiert schnell…

Schirach’s Roman hat mich beim Lesen mehrfach angeregt darüber nachzudenken, was recht ist und was unrecht und welchen Einfluss die Umstände auf die Rechtmäßigkeit einer Handlung haben. Allein schon dafür liebe ich ihn. Von dem Justizskandal wusste ich ehrlich gesagt vorher auch nichts und habe danach interessiert alles darüber gegoogelt. Zudem ist der Roman so flott und flüssig geschrieben, dass ich ihn einfach verschlungen habe und für all das gibt es von mir volle 5 Mimis. Mit reinem Gewissen kann ich dieses spannende Buch allen empfehlen.

 

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