„Das Geheimnis des weißen Bandes“ von Anthony Horowitz

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Ein Jahr nach Sherlock Holmes‘ Tod zeichnet Watson noch eines ihrer gemeinsamen Abenteuer auf: Das Geheimnis des weissen Bandes. Warum erst jetzt? Zum einen freut ihn die Erinnerung an Holmes, den er schmerzlich vermisst und zum anderen waren die Ereignisse zu schockierend, ja, sie könnten sogar das Gesellschaftsgefüge auseinander reissen. Und deshalb verfügt Watson, dass seine Aufzeichnung erst 100 Jahre später gelesen werden darf. Der Insel-Verlag hat sich daran gehalten und so dürfen wir jetzt endlich lesen, was es mit diesem „House of Silk“ auf sich hat.

Horowitz versetzt uns in die Baker Street 221b in London, mitten im eiskalten November 1890. Gleich zu Beginn bekommen wir eine Meisterleistung von Holmes‘  Fähigkeit zu Schlussfolgerungen demonstriert, als Watson zur Tür hereinkommt und Holmes ihm direkt sagt „Die Grippe ist unangenehm. Aber … mit der Hilfe Ihrer Gemahlin wird das Kind schnell wieder zu Kräften kommen.“ Watson ist schier baff, weil er nicht ein Wort gesagt hat und auf den nächsten Seiten Holmes Gedankengängen zu folgen, ist eine pure Freude. Die beiden werden durch den unangemeldeten Besuch eines Mr. Carstairs unterbrochen, der Holmes um Hilfe bittet. Carstairs ist Kunsthändler und berichtet, von einem Mann mit Schiebermütze beobachtet zu werden. Vermutlich ist der Mann Amerikaner und hat ihn nun in London ausfindig gemacht. In den USA war Carstairs anderthalb Jahre vorher beruflich, als er einem reichen Kunstsammler dorthin 4 Gemälde verkauft  hat, diese aber auf dem Transport vernichtet wurden, als eine Gang den Postwagen mit Sprengstoff aufbrachen. Carstairs hatte danach einiges für die Versicherung in den USA zu regeln, traf den Kunstsammler und sie beschlossen gemeinsam, die Gang zu finden und vor Gericht zu stellen. Ein Detektiv fand auch tatsächlich die Gang, aber beim Zusammentreffen wurden fast alle Gangmitglieder getötet. Und den einen überlebenden Anführer verdächtigt Carstairs nun, der Beobachter zu sein und fürchtet einen Vergeltungsakt an ihm oder seiner Familie. Schließlich war kurz danach der Kunstsammler erschossen aufgefunden worden, während Carstairs wieder zurück nach London reiste… und der Mörder soll eine Schiebermütze getragen haben.

In London geschehen dann einige seltsame Dinge. Der Safe der Carstairs wird ausgeraubt, Carstairs Schwester bezichtigt seine Frau, den Tod der Mutter mitverschuldet zu haben, Holmes beauftragt eine Gang Jugendlicher, den Amerikaner zu finden – sie finden ihn, aber leider erstochen und zu guter letzt verschwindet auch noch Ross, der Jugendliche, der den Amerikaner gefunden hatte. Holmes begibt sich auf die Suche nach Ross, doch bevor er ihn noch einmal sprechen kann, ist auch Ross tot – mit einem weissen Seidenband am geschundenen Körper. Holmes findet einen Wohltätigkeitsverein, bei dem Ross eine Weile gelebt hat und Ross‘ Schwester, die verschreckt fragt, ob er vom „House of Silk“ käme. Da Holmes sich für Ross‘ Tod mit verantwortlich fühlt, sucht er nach diesem „House of Silk“, begibt sich dabei in Gefahr und gerät sogar selbst unter Mordverdacht, wird verhaftet und soll ermordet werden. Doch er wäre nicht Sherlock Holmes, wenn er nicht erst sich selbst in Sicherheit bringt und dann den Fall löst 🙂

Fast bis zum Ende konnte ich herrlich mitknobeln und war dann doch überrascht, wie Horowitz alle Handlungsstränge schön miteinander verknüpft. Nachdem ich die Lösung kannte, bin ich im Geist die gesamte Handlung noch einmal durchgegangen und tatsächlich, auch ich hätte darauf kommen können. Ist es Euch geglückt? Ich bitte um Kommentare, ob jemand von Euch so pfiffig wie Holmes ist.

In meinen Augen schreibt Horowitz schreibt wirklich eine Sherlock-Holmes-Geschichte, wie sie Arthur Conan Doyle auch hätte schreiben können. Das Konstrukt der Geschichte folgt Doyle’s Tradition und Handlung und Sprache passen hervorragend zum Ende des 19. Jahrhunderts. Ich finde dies aber ehrlich gesagt den erste wirklich spannende Holmes-Fall und dafür vergebe ich volle 5 von 5 Mimis. Da stimme ich der „Sir Arthur Conan Doyle Literary Estate“ zu.


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